Restaurierung einer Schale aus Tropenholz

Tropenholzschale unrestauriert Tropenholzschale restauriert

Die Geschichte der Schale

Sie stammt aus alten Zeiten, irgendwoher, von irgendwemeinmal geschenkt.
Von der Tischdeko war sie zum kindlichen Stiftekontainer verkommen und landete schließlich in dunklen Schachteln als Unterlage für den Adentskranz. Sie galt als  abgewrackt und fristete ein trauriges Dasein.
So verunstaltet wanderte sie zu jeder Weihnachtszeit aus der Adventskranzschachtel, um schnell unter dem Adventskranz zu verschwinden und um danach wieder ins Dunkel der Adventskranzschachtel einzutauchen ... bis zum nächsten Weihnachtsfest.
Und so ging es dahin und wäre wohl auch noch so weitergegangen, oder schlimmer...

Kurz vor ihrer Entsorgung in den Abfall bekam sie nun eine letzte Chance.

Objektbeschreibung

Das Material der Schale ist ein Tropenholz.
Die Intarsie besteht aus einem Messingblech.

Die Schale besitzt die Form eines Oktogons

  • Durchmesser im äußeren Rand: 31 cm
  • Durchmesser Grundfläche: 23 cm
  • Höhe: 4,5 cm.

Ein im Oktogon geformetes Blumenband in Ausführung einer Kerbschnitzarbeit ziert die Grundfläche. Das Zentrum dieser Grundfläche bildet eine florale Einlegearbeit aus Messingblech.
Die Seitenwände der Schale bestehen aus hölzernen Einzelteilen, die verleimt sind. Die Elemente der Seitenwände sind mittels einer Dekupiersägearbeit mit floralen Elementen dekoriert und andeutend beschnitzt.

Befund

Der Befund vor der Restauration stellt sich wie folgt dar:
Die Oberfläche ist von Filzstiften verschmiert und großteils von herabgetropftem Wachs verunstaltet.
Die Seitenwände sind teilweise gebrochen, teilweise lösen sich die Verleimungen auf, so dass die Schale insgesamt zu zerfallen droht.

(Die Bilder können durch Anklicken vergrößert werden)

Tropenholzschale unrestauriert Tropenholzschale unrestauriert Tropenholzschale unrestauriert Tropenholzschale unrestauriert
Tropenholzschale unrestauriert Tropenholzschale unrestauriert Tropenholzschale unrestauriert
Tropenholzschale unrestauriert Tropenholzschale unrestauriert

Vorgehensweise zur Restaurierung

1. Reinigung des Objekts

Als erstes erfolgt eine Reinigung der Holzschale.
Dazu wird die Schale zunächst von ihren Wachsverklebungen befreit.
Verschmutzungen durch Tinten- und Filzstiftflecken werden mit einer Paste aus Wasser und Bimsmehl in Faserrichtung vorsichtig ausgeschliffen.

2. Retusche

Anschließend werden durch das Schleifen erfolgte Aufhellungen mit etwas farblich passender Beize vorsichtig retuschiert.

3. Verleimen und Verkitten

Danach folgt eine neue Zusammensetzung der Holzschale:
Bruchstellen und Ablösungen werden mit Knochenleim neu verleimt und mittels Leimklammern bis zur Aushärtung fixiert.
Schlitze und sonstige kleine Fehlstellen werden durch farblich passendes Wachs verkittet.

4. Oberflächenbehandlung

Den Abschluss bildet die finale Oberflächenbehandlung der Schale:
Diese erfolgt durch eine Ölung mittels einer Mischung aus heißem Leinölfirnis (80%) und reinem Orangenöl (20%).

Tropenholzschale restauriert

Zusammenfassung und Fazit

Wenn man sich den Ausgangspunkt und das Ergebnis ansieht, dann hat es sich sicher gelohnt dieser Schale eine neue Chance zu geben und sie hat mittlerweile wieder ihre angestammte Rolle als Tischdeko eingenommen.

Autor: Andrea Schütze
Veröffentlicht: 06.10.2020
Permalink:
http://www.res-antiquae.de/Text/P-01-Restaurierung_Tropenholzschale.html